| 1983, Nordkapp, BMW R 100/S |
Trondheim Camping? BMW mit Michel- Verkleidung |
Mo-i-Rana? |
Polarkreis |
Polarkreis |
Am Nordkap |
Nordkap-Fahrt im Juli 1983
Am Sonnabend, den 9 Juli 1983 fuhr ich gegen 8.00 Uhr in Hildesheim
los, um mich mit Michael auf der Autobahnraststätte Allertal zu treffen.
Da dieser Sonnabend der erste Tag des VW-Betriebsurlaubs war, war natürlich
entsprechender Verkehr. Mit dem Motorrad kam man gücklicherweise schnell,
allerdings etwas am Rande der Legalität, an den diversen Unfällen
vorbeifahren. Kurz nach 9.00 Uhr sind wir dann gemeinsam weiter Richtung
Norden gefahren. Diese Richtung war auch für die folgenden 3000 Kilometer
vorgesehen. Nördlich von der Stadt Hamburg haben wir noch mal getankt
und sind dann nach Kiel gebraust, um unser Schiff nach Oslo zu erreichen.
In Kiel, noch vor dem Hafen, noch mal Benzin und Öl gebunkert und
dann fix zum Anleger gefahren. Dort wurde uns dann versichert, daß
man uns in keinem Fall mitnehmen könne, da das Schiff ausgebucht sei
und Deckspassagen nicht verkauft würden. Der Angestellte sagte, das
die einzige Möglichkeit an diesem Tag noch auf ein Schiff nach Oslo
zu kommen, in Frederikshavn bestünde. Na gut, er reservierte uns die
Passage und wir zahlten gleich bei ihm und starteten nach einer Zigarettenlänge
nach Dänemark. In Dänemark war auf der Autobahn und auf der anschließenden
Landstraße ein mittleres Chaos. Um 20.00 Uhr sollten wir in Frederikshavn
sein und von Kiel aus sind es immerhin noch gute 450 Kilometer. Wir erreichten
das Schiff aber pünktlich und hatten sogar noch etwas Zeit. Insgesamt
waren wir während dieser ersten Tagesetappe 727 Kilometer gefahren.
Auf dem Schiff haben wir erst mal Inspektion gemacht und uns dann auf das
Deck zurückgezogen, um ein paar Dosen des nach diesem so heißen
Tages sehr beliebten Bier die Ehre zu geben. Später suchten wir uns
Schlafplätze in einem der vorderen Salons auf dem Boden, der zwar
etwas süß-sauer duftete, was aber nicht zu ändern war.
Noch schnell geduscht, eine letzte Zigarette geraucht und dann in die Falle.
Sonntag, der 10. Juli 1983
Sehr früh am Morgen fuhren wir mit dem Schiff durch den 0s1o-Fjord.
Nachdem wir durch das Licht der aufgehenden Sonne und der allgemeinen Unruhe
geweckt wurden, packten wir unsere Penntüten zusammen und gingen in
die Cafeteria, um unser Frühstück zu holen. Bis auf die Preise
und die etwas zu kleine Dusche, die zu allem noch ohne Duschvorhang auskam,
war die Fahrt genehm. Sogar der Kaffee konnte sich so nennen lassen. Der
fehlende Vorhang übrigens hätte in der sehr kleinen Kammer die
an einem Haken hängenden Sachen vor der in einer Dusche naturgemäß
auftretende Feuchtigkeit schützen können. Was soll' s, um 7.00
Uhr waren wir schon bei Sonnenschein in Oslo unterwegs, um den richtigen
Weg zu finden. Nachdem man aus der Stadt etwas raus ist kommt man auf eine
Autobahn, die ca. 30 Kilometer lang ist. Danach geht es auf einer tollen
Straße weiter nach Hamar. Diese Strecke führt am einem Stausee
entlang, der bei dem schönen Wetter zu Rast, Picknick und den Michael
sogar zu Badefreuden einlud. Nach dieser Pause ging es weiter das Gudbrandsdalen
hinauf nach Dombas, wo die Straße E6 nach rechts abbiegt. Hier geht
es dann schon richtig den Berg hoch und nach etwa 40 Kilometern kommt man
an eine Aussichtsstelle, die eine tolle Aussicht auf eine Ebene und den
dahinterliegenden Berg "Snöhetta" bietet, klares Wetter vorausgesetzt.
Der Parkplatz selbst liegt 1022 Meter hoch, der Berg in der Ferne ist 2302
Meter hoch. Wir sind dann noch weiter bis kurz vor Trondheim gefahren,
wo wir uns einen Campingplatz suchten und es uns auf den Luftmatratzen
gemütlich machten. Weißer Rum war im Bordgepäck von Michael
und Cola konnte beschafft werden. In diese Idylle hinein platzte ein Ehepaar
mit einem Campingbus aus Wolfsburg und lud uns nach längerem Geschwafel
in den Bus ein. Als wir dieser Einladung folgen wollten mußten wir
feststellen, das die Herrschaften schon in tiefem Schlummer lagen. Also
machten wir noch einen Rundgang über den Platz und inspizierten die
Anlagen, telefonierten noch schnell mit der Heimat und legten uns dann
auf die Luftmatratzen zum Schlafen. Das Zelt blieb eingepackt, denn es
war so warm, daß es auch ohne ging. Außerdem spart man eine
Menge Arbeit.
Montag, 11. Juli 1983
Die Fahrtstrecke am gestrigen Sonntag betrug 532 Kilometer. Am Morgen
wachten wir zeitig auf, denn es war doch etwas feucht und kühl, was
wahrscheinlich am nahen Meer lag. Nach dem Frühstück fuhren wir
weiter Richtung Norden das Namdalen hinauf, weiter durch das Svenningdal
nach Mosjoen. Die Straße ist ganz gut und läuft in leichten
Kurven durch die Täler, es gibt keine schwierigen Kurven und keine
fiesen Ecken. Hin und wieder hat die Straße ein paar Bodenwellen,
aber mit denen muß man eben leben. An diesem Tag fuhren wir bis Mo,
das wahrscheinlich richtig Mo-i-Rana heißt, denn so nannten es alle
die wir trafen. In Mo wieder auf den Zeltplatz und diesmal aber das Zelt
aufgebaut, denn es war schon merklich kühler geworden. Auf dem Platz
gab es ein kleines Restaurant, in dem wir uns etwas zu Essen kommen ließen
und auch ein paar Kaffee. Danach saßen wir wieder am Zelt und redeten.
Bald kamen zwei junge Männer mit einem PKW mit Göttinger Kennzeichen
und bauten Ihr Zelt neben unserem auf. Wir kamen ins Gespräch und
sie luden uns zum Essen ein. Es gab Spaghetti mit Tomatensoße und
dazu weißen Rum und Cognac. Mo liegt etwa 30 Kilometer südlich
des Polarkreises und darum wurde es hier kaum dunkel. Wir saßen bis
Mitternacht herum und hätten noch Zeitung lesen können. Man wird
auch nicht müde weil einfach das Zeitgefühl weg ist. Aber wir
zwangen uns dann einfach ins Bett zu gehen (hicks). Die Tagesleistung lag
bei 495 Kilometer.
Dienstag, 12. Juli 1983
Am Morgen reichlich frischer Wind und dunkle Wolken. Also frühstücken, Zelt abbauen und in Regenzeug wieder auf die Piste. Nach einer Stunde kamen wir in das Lonsdalen, in dem die Straße den Polarkreis kreuzt. Am Polarkreis haben wir dann angehalten, um zu fotografieren und die ersten Karten zu schreiben. In der Hütte konnten wir uns etwas aufwärmen und eine Zigarette rauchen. Dank des außen angebrachten Thermometers konnten wir feststellen, daß die Lufttemperatur bei sommerlichen 12 Grad stand. Außerdem gab es zur Abwechslung auch mal Regenschauer. Aber wir wollten ja weiter nordwärts nach Narvik.
Vor Narvik jedoch hat die Natur g1eich zwei Fjorde gesetzt, die es zu
überqueren gilt, glücklicherweise mit Fähren. Die erste
fährt etwa eine viertel Stunde, die zweite fast eine Stunde, aber
dafür ist sie billiger. Zwischen beiden Fähren liegen fast anderthalb
bis zwei Stunden Fahrt auf einer recht kurvenreichen Straße. Diese
Strecke machte mir bei dem nassen Wetter besonders zu schaffen. Dann folgten
noch mal über achtzig Kilometer von der zweiten Fähre bis Narvik
bei Nieselregen. In Narvik dann fuhren wir zum Zeltplatz und waren zum
erstenmal reif für eine Hütte. Die waren aber, was sonst, ausgebucht.
Wir bauten also unser Zelt im Regen auf nassem Sandboden auf und kamen
anschließend mit ein paar anderen deutschen Motorradfahrern ins Gespräch,
die eine Hütte hatten. Sie luden uns leider nicht ein. Aber auf dem
Platz gab es eine Sauna, die mir nach dem feuchten Tag besonders recht
war. Dort trafen wir zwei Deutsche, die zu Fuß durch einen der Nationalparks
in Schweden gewandert waren. Nach ein paar Stunden reden sind wir dann
ins "Bett" gegangen.
Mittwoch, 13. Juni 1983
Gestern sind wir 417 Kilometer gefahren. Der Mittwoch begann recht lustlos,
da das Zelt innen etwas feucht geworden war. Glücklicherweise gab
es einen kleinen Raum mit Kochstelle und Spüle und dort nahmen wir
dann unser Frühstück. Anschließend wieder Regenzeug angezogen
und das Zelt naß abgebaut. Wenn man fährt geht einem der Regen
nicht ganz so sehr auf den Geist. Etwa 230 Kilometer hinter Narvik endet
die Europastraße 6 und geht in die Reichsstraße 6 über
und dann folgt bald der Kafjord, um den man ganz herumfahren muß.
Auf der anderen Seite sieht man schon die Straße, aber es dauert
noch über eine Stunde, bis man da ist. Südlich des 70. Breitengrades
haben wir dann in Sekkemo frühzeitig die Tagesetappe beendet, um auch
mal eine Hütte zu bekommen. Die sind nämlich ab 17.00 Uhr fast
alle ausgebucht. In der Hütte gab es zwei Betten mit Schaumstoffmatrazen,
einen Tisch und zwei Stühle, eine Kochplatte und einen Heizstrahler,
von dem wir auch Gebrauch machten. An diesem Tag gab es "Kjottbollar" zu
essen, das sind kleine Fleischbällchen in einer ziemlich salzigen
braunen Soße. Den anschließenden Durst bekämpften wir
mit Coca-Cola. Die Tagesstrecke betrug 401 Kilometer, aber wir hatten ja
auch früh Schluß gemacht.
Donnerstag , 14. Juli 1983
Noch rund 330 Kilometer. Es müßte heute eigentlich zu schaffen sein. In der Hütte haben wir gut geschlafen und nach dem Frühstück sind wir langsam los. Die Hütte mußten wir auch noch etwas reinigen. Die Strecke von Sekkemo nach Alta ist reichlich kurvenreich und mit Bodenwellen gut bestückt, so das wir mit etwa nur 6o km/h vorwärts kommen. Von der kurzen Strecke müssen wir uns in Alta erst mal erholen. Ich ging Geld tauschen und anschließend sind wir gemeinsam in eine Cafeteria gezogen. Dort wurde erst mal Kaffee getrunken und ein Stück Kuchen verspeist. Zurück an den Motorrädern konnten wir unseren Augen kaum trauen: Wolfsburger mit Motorrädern, der eine aus Michas Straße. Das war natürlich ein großes Hallo. Nach dem üblichen Palaver über Straßenzustand und Wetter fuhren wir getrennt zum Nordkapp. Auf der Strecke von Alta nach Kafjord wurde gerade die Straße neu gemacht und wir mußten durch ein paar Schotterstrecken in den Baustellen. Hinter der Baustelle war die Piste teilweise schnurgerade und topfeben, man kam recht zügig voran. In Kafjord mußten wir eine ganze Weile auf die Fähre warten und kamen derweil mit Berlinern in einem Wohnmobi1 ins Gespräch. Da wir wohl sehr durchgefroren aussahen bekamen wir erst einmal einen heißen Kaffee aus der Thermoskanne. Da trafen auch die beiden anderen Wolfsburger ein und mit einem weiteren Motorradfahrer aus Winsen, einem aus "GG" (Groß-Gerau) und einem Mädchen aus der Schweiz vereinbarten wir, gemeinsam eine Hütte auf dem Nordkapp zu nehmen. Also ging ich zur Buchungsstelle und wollte unsere Hütte festmachen. Wollte, denn es war schon alles ausgebucht. Wir einigten uns darauf, auf der Insel gemeinsam etwas zu suchen. Mit der Fähre waren wir nach etwa einer dreivierte1 Stunde auf der Insel Mageroy, deren nördlichste Spitze das Nordkapp ist. Man kommt am östlichen Ende der Stadt Honningsvag an und muß dann noch etwa 30 Kilometer fahren, um an das Kap zu gelangen. Unterwegs hielten wir zweimal an, um uns nach Hütten zu erkundigen, aber es war alles reserviert. Auf dem ersten Platz fand an diesem Wochenende ein Motorradtreffen statt, das vom Club in Honningsvag organisiert wurde.
Das es hier überhaupt so einen Club gab war schon bemerkenswert.
Am zweiten Platz schickte man uns dann zu einem Turisthotel, einer besseren
Jugendherberge. Wir mieteten für zwei Tage je einen Raum mit drei
bzw. vier Betten. Für jeden kostete das dann 40 Kronen, etwas billiger
als eine Hütte. Nachdem wir unsere Sachen abgepackt hatten fuhren
wir mit der ganzen Horde die verbleibende Strecke zum Kap. Dort mußten
wir 10 Kronen bezahlen, um überhaupt auf den Parkplatz zu kommen.
Aber gegen Mitternacht hatten wir es dann endlich geschafft. An der Stahlkonstruktion,
die eine Erdkugel darstellt und auf 71° 10‘ 21" steht, haben Michael
und ich den beiden Fläschchen Piccolo den Hals gebrochen. Der Sekt
ließ sich sogar trinken, da er die Lufttemperatur angenommen hatte,
und die war gerade niedrig genug für Sekt. Mit Mitternachtssonne war
nicht viel, da der Himmel etwas zuviel Wolken zeigte. Nachdem wir uns umgesehen
hatten gingen wir in das Haus, es war brechend voll. Wir kauften ein paar
Postkarten und Sticker, füllten die Karten aus und schickten sie ab.
Dann fuhren wir die rund 15 Kilometer zurück zu unserer Herberge,
die im nördlichsten Fischerdorf Europas lag. Das Dorf heißt
Skarsvag und bietet neben einem großen Laden und einem teuren Lapppen-Markt
auch noch eine Krabbenkonservenfabrik. Bis hierher waren es von Hildesheim
aus 2922 Kilometer und 6 Tage Fahrt bei wechselndem Wetter. Hier im Norden
sind wir zwei Tage geblieben und haben uns von der Fahrt etwas ausgeruht.
Freitag, 15. Juni 1983
Da wir erst am Morgen gegen 2.30 Uhr zurück waren, schliefen wir erst einmal aus. Michael ist mit den anderen noch mal zum Kap hochgefahren. Am Nachmittag dieses Tages traf ein ca. 45-jähriger Mann mit einem Fahrrad auf und suchte ein Bett für die kommende Nacht. Da die Schweizerin auszog, um zum Treffen umzusiedeln, boten wir ihm das freigewordene Bett an. Das Zelt, mit dem er gestartet war, hatte er schon aus Gewichtsgründen wieder nach Hause geschickt. Fast den ganzen Nachmittag habe ich mit diesem Mann geredet und die Zeit totgeschlagen. Am frühen Abend bin ich mit Michael noch ins Dorf gegangen, um Sachen im Laden einzukaufen. Der Laden war schon zu und vor seinen Fenstern stellten Samen (Lappen) Tische und Bretter auf, um Felle, Geweihe und anderen Krimskrams anzubieten. Der vermutliche Grund: im Hafenbecken lag ein sowjetischer Kreuzfahrer, der seine Gäste zum Shopping ausbootete. Die Preise der Felle und Geweihe waren allerdings auch auf Kreuzfahrtniveau.
Am Abend haben wir dann mit den anderen noch zusammengesessen und ein Fläschchen Rum inspiziert und sehr positiv beurteilt, allerdings erst nach diversen Proben.
Nach dem Aufstehen und dem Frühstück haben wir dann die Sachen
zusammengepackt und sind Richtung Honningsvag zum Motorradtreffen gefahren
um uns einzutragen und einen Sticker zu kaufen. Dann sind wir in die Stadt
gefahren, um uns nach der Fähre nach Vardo zu erkundigen. Der Spaß
sollte rund 400 D-Mark kosten und das war mir zuviel. Also zum Fähranleger
des Bootes nach Kafjord zurück und warten. Nach und nach kamen auch
die anderen aus der Herberge zum Hafen und so fuhren wir gemeinsam das
erste Stück Richtung Süden. Micha und ich wollten nicht die gleiche
Strecke zurückfahren und wir trennten uns in Alta von den anderen
Wolfsburgern, um die Straße 93 in Richtung Finnland zu fahren. Hier
in der Finnmark sah die Gegend ganz anders aus als an der Küste. Das
Land war relativ flach und mit Birken und Nadelbäumen bewachsen. Es
erinnerte mich etwas an die Heide in Deutschland. Die Straßen waren
nicht mehr kurvenreich sondern hatten längere Geraden und alle paar
Kilometer war die Straße nur ein Schotterband mit einer Länge
von 300 bis 500 Metern. Die Grenzen von Norwegen nach Finnland und von
Finnland nach Schweden waren bezeichnet und hatten auch eine Grenzstation,
aber kontrolliert wurde niemand. Kurz hinter der Grenze nach Schweden haben
wir einen Zeltplatz mit Hütten angelaufen um das lästige Zeltaufbauen
zu vermeiden. Hier mußten wir auch zum erstenmal Dschungel-Olja kaufen,
um uns vor den blutrünstigen Insekten zu schützen. Der Name des
Ortes war Idivuoma und war vom Kap 518 Kilometer entfernt. Der Tacho an
meiner BMW war vor der Hütte genau auf 44 000 Kilometer gesprungen,
3440 km seit Hildesheim.
Sonntag, 17. Juli 1983
Nach den üblichen Zeremonien sind wir weiter Richtung Süden
gefahren, über Vittangi und Svappavaara nach Kiruna, der Stadt des
Eisenerzes. Sonntags gibt es zwei Führungen ins Bergwerk, eine um
l4.00 Uhr und eine um 16.00 Uhr. Zur ersten waren wir etwas spät dran
und wir hatten Gelegenheit zum entzückenden Flugplatz zu fahren. Aber
hier war absolut nichts los. Nicht mal Schecks kann man hier loswerden
und deswegen waren wir ja eigentlich hergefahren. Also wieder zurück
in die Stadt. Auf dieser Strecke kann man die Riesenantenne "Eiscat" zur
Erforschung des Polarlichtes sehen. Um 16.00 Uhr fuhren wir dann mit einer
Gruppe in einem Bus zum Bergwerk und durch einen Tunnel mitten hinein.
Dort unter Tage wurde eine Maschine vorgeführt, die gleichzeitig vier
oder sechs Sprenglöcher mit Preßluftbohrern bohren konnte. Weiter
gab es noch einen Radlader mit eigentlich ganz normalen Maßen: Reifenhöhe
etwa 2 Meter und Ladekapazität 8 bis 10 Tonnen. Dann wurde noch ein
Video (in Deutsch) über Abbau und Produktion gezeigt und in kurzer
Zeit saßen wir schon wieder im Bus. Der Bus fuhr die Gruppe noch
über das Gelände und auf den Berg hinauf, von dem das Erz früher
im Tagebau abgebaut wurde. Von dort oben hatten wir eine ganz gute Sicht
über die Stadt und die Gegend um den Berg. Ganz besonders Stolz war
die Führerin der Gruppe darauf, daß sie uns den höchsten
Berg Schwedens, den Kebnekajse, zeigen konnte(2123 Meter). Nach dieser
Tour sind wir dann weiter Richtung Süden nach Gällivare gefahren
und dort auf einen Zeltplatz gegangen. Mange1s Hütten mußten
wir das Zelt aufbauen. Dafür entsprachen die Gemeinschaftsanlagen
wieder dem Skandinavischen Standard: saubere Duschen, Sauna, Gemeinschaftsraum
mit drei Herden, zwei Tischen und reichlich Stühlen. Sogar Waschmaschinen
und Trockenschrank waren vorhanden. In einem Geschäft in der Stadt
konnte ich noch was zum Essen auftreiben und so war der Abend gerettet.
Montag, 18. Juli 1983
An diesem Tag sah der Himmel gar nicht lustig aus und wir entschieden
uns noch einen Tag zu warten. Micha fuhr in die Stadt um einzukaufen. Das
beste, was er mitbrachte, war eine Palette Ol. Was wir nicht selber tranken
verkauften wir an andere durstige Camper und es wurde ein fauler Tag.
Dienstag, 19. Juli 1983
Noch immer hing der Himmel voll mit dunklen Wolken, aber nach einiger
Zeit, die wir mit Diskussion verbrachten entschieden wir uns, weiter zu
fahren. Das Wetter wurde an diesem Tag fürchterlich, es regnete nur
noch und die Sicht lag teilweise bei 50 Metern, wenn überhaupt. In
Jokkmokk kaufte Micha ein Fell und bei diesem Handel zeigte sich eine Flasche
Springer von Vorteil. Weiter ging es zur Küste der Ostsee und dann,
schon auf der E4,immer an derselben entlang bis Umea. Die Etappenlänge
war an diesem Tag 537 Kilometer. Der Campingplatz war recht klein und hatte
einen steinigen Boden. Abends wurden wir zu einem norwegischen Paar eingeladen,
die in einem Klappze1t auf einem Hänger wohnten. Wir hatten schon
etwas weißen Rum getrunken und wurden dann noch von dem Norweger
zu Scotch genötigt, der mir in dieser Kombination nicht gerade hervorragend
bekam. Also kroch ich bald ins weiche Daunenbett.
Mittwoch, 20. Juli 1983
Vormittags liefen wir in den Ort um Geld zu wechseln und wieder was
zu Essen zu kaufen. Am späten Vormittag fuhren wir dann weiter gen
Süden, immer in der nähe der Küste der Ostsee. Die Straße
ist sehr eintönig, sehr gerade und nur mit leichten Kurven. Gegen
Abend fingen wir an, nach einem Zeltplatz zu suchen, aber wir fanden nichts
genehmes. Immer wenn ein Schild mit einem Bett auftauchte, forschten wir
nach, denn wir wollten gerne wieder eine Hütte beziehen, doch meistens
waren es nur richtige Hotels wie zum Beispiel Esso-Motor-Hotels., und die
waren uns etwas teuer. Gegen Mitternacht, wir hätten eigentlich bis
zum Morgen fahren können, fielen wir dann doch in ein Esso-Hotel ein.
Ich glaube, das war das erste mal im Leben der Dame hinter dem Tresen,
daß zwei Motorradfahrer in Regenzeug, unrasiert und nicht ganz sauber
bei ihr ein Zimmer nahmen. Es war wohl auch das erste mal, das ihr einer
sagte, das ihm das Zimmer nicht gefalle, denn sie blickte etwas ungläubig
bis ihr einfiel, das das Zimmer gerade renoviert wurde. Wir haben noch
ausgiebig heiß geduscht und sind dann zum erstenmal auf dieser Tour
in richtigen Betten eingeschlafen.
Donnerstag, 21. Juli 1983
Das Frühstück im Hotel war ganz genehm. Wir waren gestern
etwa 630 Kilometer gefahren. Heute sollten es nicht ganz so viel werden,
denn wir wollten nur bis Stockholm, und das sind von Uppsala nur schlappe
70 Kilometer. Endlich war das Wetter wieder etwas freundlicher und in Stockholm
war es sogar richtig warm. Ich hatte gelesen, das in Stockholms Drottninggatan
eine Hologramm-Galerie sein soll. Wir fanden sie auch, allerdings war sie
geschlossen und öffnete erst um ein Uhr. Also trieben wir uns solange
in der Stadt herum und schauten uns die Geschäfte und Einkaufsstraßen
an. Um halb zwei sahen wir uns dann die Hologramme an und fuhren anschließend
noch nach Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm, und liefen dort durch
die engen Gassen. Gamla Stan ist ein einziger Touristennepp, alles etwas
teurer als anderswo und derselbe Ramsch wie in anderen Städten. Allerdings
gibt es einige Spezialgeschäfte wie z. B. Antiquariate für Bücher
und Porzellan. Am späten Nachmittag fuhren wir weiter aus der Stadt
hinaus, um unseren nächsten Zeltplatz aufzusuchen. Etwa 130 Kilometer
weiter fuhren wir an die Ostsee nach Oxelösund, dessen Campingplatz
uns empfohlen worden war. Den Abend verbrachten wir mit ein paar Schweden,
die auch Urlaub machten. Während der Gespräche an diesem Abend
zeigte sich, daß auch Schweden mit seinem früher vorbildlichen
Sozialsystem heute Schwierigkeiten hat, z. B. eine hohe Arbeitslosigkeit.
Die Schweden, also die jüngeren mit denen wir sprachen, halten auch
nicht viel von ihrem König. Sie bezeichneten ihn als bestbezahlten
Arbeitslosen Schwedens. Parallele: die Briten denken oft ähnlich.
Freitag, 22. Juli 1983
An diesem Tag sind wir die E4 weiter über Jönköping nach
Helsingborg und mit der Fähre nach Helsingor, um uns noch vor Rodbyhavn
zum letzten Mal einen Campingplatz zu suchen.
Sonnabend, 23. Juli 1983
Am Vormittag sind wir noch zusammen nach Fehmarn gefahren. Michael wollte sich noch mit seinem Bruder in Neustadt treffen, ich wollte nach Hause.
Montags, etwas über zwei Wochen und 6200 Kilometer nach dem Start
in Hildesheim erlitt der Motor Totalschaden , etwa 25 Kilometer vor dem
Ziel.
Nachtrag 2003:
Ich war erst nach Hildesheim und dann nach Wolfsburg zu meinen Eltern gefahren. Auf der Fahrt von Wolfsburg zurück nach Hildesheim hat’s den Motor dann ein Stück hinter Peine in Rosental zerlegt (46800 km Laufleistung).
Nach Hildesheim kam ich dann per Anhalter. Eric kam noch am selben Abend mit einem Pferdeanhänger und hat mir geholfen, die Maschine nach Hildesheim zu bringen.
Den Motor habe ich in der Küche der Wohnung im ersten Stock zerlegt. An einem Pleulfuß war eine Schraube abgerissen, die andere konnte nicht alleine halten, das Pleuel löste sich von der Kurbelwelle und blockierte den Motor. Dabei war ein Ausgleichsgewicht an der Kurbelwelle abgeschert worden, die Nockenwelle zerbrochen, vorderes NW-Lagerschild gebrochen, Stösselführung im Gehäuse abgebrochen, Kolben und Zylinder links kaputt.
Es wurde ein Rumpfmotor (Gehäuse, Kurbelwelle, Nockenwelle, Pleuel)
und einige Einzelteile beschafft und der Rest aus dem alten Motor drangebaut.
Der Motor wurde wieder die Treppe runtergetragen, eingebaut und lief sofort.
Einen Tag später bin ich wieder mit Michael unterwegs gewesen, dieses
Mal über das Wochenende nach Dänemark.